Es ist ein Ereignis: Der Schauspieler Matthias Brandt setzt sich in
seinem Bestseller erstmals intensiv und öffentlich mit seinen berühmten
Eltern Rut und Willy Brandt auseinander. Was hat ihr widerständiges
Leben uns gerade heute wieder zu sagen? Darüber diskutieren Maja Beckers
und Alexander Cammann in der aktuellen Sachbuchfolge von »Was liest Du
gerade?«. Die Brandts kämpften als Antifaschisten gegen den
Nationalsozialismus – und wurden später von den Deutschen geliebt,
verehrt und gehasst. Lange wollte ihr prominentes Kind aber seinen
eigenen Weg gehen, nicht als ewiger Sohn des Kanzlers. Angesichts der
Bedrohung für unsere Demokratie durch die AfD entdeckt Matthias Brandt
in diesem schmalen Band jedoch die Aktualität seiner Eltern, die unter
Lebensgefahr im Exil Mut bewiesen.
Narzisstisch sind meistens ja immer nur die anderen. Seit ein paar
Jahren ist die Diagnose populär, oft soll sie auch die Krise unserer
Gesellschaft erklären – und vor Narzissmus-Warnungen kann man sich kaum
retten. Aber Thomas Arnold und Thomas Fuchs sortieren jetzt in ihrem
Buch »Das unersättliche Selbst« die verschiedenen Phänomene, analysieren
Selfie-Kult und Social-Media-Sucht und zeigen, was Narzissmus mit
mangelndem Selbstwertgefühl und Fluchtimpulsen zu tun hat. Entgeht man
so dieser speziellen Ego-Falle?
Viel zu wenig bekannt ist die 2003 verstorbene französische Autorin
Monique Wittig, eine feministische Klassikerin, die seit 1976 in den USA
lebte. Warum sie heute wieder lesenswert ist, erkennt man an ihrem
originellen Essayband »Das straighte Denken«, der ihre wichtigsten Texte
vorstellt: Sie will die Geschlechterkategorien Frau und Mann gleich ganz
abschaffen und plädiert für ein lesbisches Leben, weil schon in der
Heterosexualität die Unterdrückung lauert.
Am Schluss wie immer die Geheimtipps unserer Hosts: Kia Vahlands Buch
»Tizian und Venedig«, ein schönes Porträt des berühmten
Renaissancemalers in seiner Lagunenstadt, und den von Julien Gupta
herausgegebenen Band »Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen« mit
klugen Essays prominenter Autoren zu einem Gefühl, das wir heute
dringend brauchen.
Das Team von Was liest Du gerade erreichen Sie unter
[email protected]Literaturhinweise:
- Thomas Arnold/Thomas Fuchs: Das unersättliche Selbst. Phänomenologie
des Narzissmus, Suhrkamp, 200 Seiten, 28 Euro
- Matthias Brandt: Nein sagen. Über den 20. Juli 1944, meine Eltern
und persönliche Verantwortung heute, Kiepenheuer & Witsch, 16 Euro,
128 Seiten
- Monique Wittig: Das straighte Denken, Merve, 144 Seiten, 15 Euro
- Kia Vahland: Tizian und Venedig, Insel, 117 Seiten, 16 Euro
- Julien Gupta (Hrsg.): Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen,
Oekom, 208 Seiten, 19 Euro
[ANZEIGE] Mehr über die Angebote unserer Werbepartnerinnen und -partner
finden Sie HIER.
[ANZEIGE] Mehr hören? Dann testen Sie unser Podcast-Abo mit Zugriff auf
alle Dokupodcasts und unser Podcast-Archiv. Jetzt 4 Wochen kostenlos
testen. Und falls Sie uns nicht nur hören, sondern auch lesen möchten,
testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos DIE ZEIT. Hier geht's zum Angebot.